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Proximity-basierte Digital Signage-Lösungen: vom Marketing bis zum Gesundheitsmonitoring

Geschrieben von Tatsiana Tsiukhai | 16.09.2020 12:26:00

Digital Signage gibt es überall – von Wegweisern in Krankenhäusern bis hin zu riesigen Videowänden in Bürogebäuden. Proximity-Lösungen erkennen Personen in der Nähe von digitalen Bildschirmen und interagieren mit ihnen ohne direkten physischen Kontakt. Ein Beispiel sind Besucherzähler, die berechnen, wie viele Personen auf einen bestimmten Bildschirm blicken.

Einzelhandel, Transport, Gesundheitswesen und andere Branchen können von Digital Signage profitieren. Mit dieser Technologie lassen sich Betriebskosten senken, Kundendaten sammeln und relevante Botschaften an die relevante Zielgruppe übermitteln.

Treiber für Digital Signage

Die globale Verbreitung von Digital Signage-Lösungen nimmt zu und dies bringt mit sich immer mehr Möglichkeiten. Laut Grand View Research könnte der weltweite Digital Signage-Markt bis 2025 ein Volumen von 31,71 Milliarden US-Dollar erreichen. Das entspräche einem Wachstum von 8 %. Lösungen für den Einzelhandel und das Transportwesen weisen derzeit den höchsten Anteil am Marktvolumen auf. Erhebliches Wachstumspotenzial zeigt Digital Signage auch im Gesundheitswesen, Unternehmenssektor und Gastgewerbe.

Forscher von Grand View Research und Markets and Markets haben Schlüsselfaktoren hervorgehoben, die diesen Markt vorantreiben:

  • Verfügbare digitale Displays mit 4K- und 8K-Auflösung. Hochauflösende Displays bieten verbesserte Schärfe und Qualität der Inhalte. Dies gilt besonders für die 8K-Bildschirmauflösung: Im Vergleich zu 1080p Full HD ist die Bildqualität hier 16-mal schärfer.
  • Geringere Betriebskosten. Dank Digital Signage sinken die Ausgaben für Printwerbung. Darüber hinaus ermöglichen Panels mit LED-Hintergrundbeleuchtung zusätzliche Energieeinsparungen.
  • IoT und Cloud Computing. Unternehmen können Betriebs- und Marketingdaten sammeln und das Verbraucherverhalten analysieren. Somit treffen sie fundierte Entscheidungen darüber, welche Inhalte sie an ein bestimmtes Publikum streamen.
  • Mehr smarte Geräte vernetzt mit der Cloud. Technisch versierte Kunden brauchen vernetzte Erlebnisse. Als Resultat müssen Einzelhändler ihre traditionellen Läden in intelligente verwandeln. D. h.: die Ladenfläche digitalisieren und personalisierte relevante Botschaften geschickt übermitteln.

Wie Proximity-basierte Signage-Lösungen funktionieren

Proximity-basierte Signage-Lösungen erkennen Personen in der Nähe von Displays und senden eine Nachricht – physischer Kontakt ist nicht erforderlich. Relevante Informationen können beispielsweise angezeigt werden, wenn ein Kunde ein Produkt in der Nähe des Displays in die Hand nimmt.

Digital Signage verwendet LCD-, LED- oder Projektionstechnologie, um Inhalte zu übertragen. Riesige LED-Wände erzeugen Wow-Effekte. Ein Beispiel ist die 325 qm Mega-Wall in Dortmund, eine der größten Outdoor-Installationen in Deutschland und Europa. Die riesige Wall schmückt das Gebäude des Hightech-Pumpenherstellers Wilo. Eine weitere 77 qm große LED-Wand wurde im Innenbereich installiert. Hier können Besucher das Produktportfolio sehen, Einblicke in die optimierten Prozesse bekommen und über die Firmengeschichte erfahren. 

Es ist möglich, Displays in mehrere Lösungen einzubetten: Kioske, Aufzüge oder Gebäudewände. Man könnte aber auch etwas weiter gehen und Schaufenster in interaktive Kunstinstallationen verwandeln: So feierte Samsung das zehnjährige Jubiläum der Galaxy S-Serie im KaDeWe in Berlin. Jede Inszenierung repräsentierte eine der Smartphone-Funktionen

Zu einem typischen Digital Signage-System gehören drei Hauptkomponenten:

  • Ein Prozessor
  • Konnektivitätstechnologien
  • Ein Content-Management-System (CMS)

Ein einzelnes Display oder ein Netzwerk mehrerer Displays kann mit Hilfe von CMS aus der Ferne verwaltet werden. Ein Webportal ermöglicht es den Nutzern, Kampagnen zu planen und zu aktualisieren. Die System-on-a-Chip-Technologie mit einem eingebetteten Media-Player liefert die Inhalte.

Einige smarte Signage-Lösungen enthalten Kameras, Näherungs- und Temperatursensoren. Mithilfe von KI-Algorithmen erfassen sie kritische Temperaturveränderungen und führen Gesichtserkennung durch. Proximity-Funktionen basieren auf mehreren Technologien: Geofencing, RFID, Bluetooth/BLE usw.

Digital Signage in Verbindung mit Bluetooth/BLE kann eine besonders effektive Kombination im kontextbezogenen Marketing sein. Beacons senden Signale sowohl an mobile Apps der Nutzer als auch an digitale Schilder. Wenn ein Kunde das Geschäft betritt, erhält er die relevanten, personalisierten Nachrichten auf seinem Smartphone und gleichzeitig sieht er die Werbung auf dem Bildschirm.

Die Kombination aus Digital Signage und IoT hilft Unternehmen, datenbasierte Entscheidungen zu treffen und ihre Zielgruppe zur richtigen Zeit mit der richtigen Botschaft zu erreichen. Intelligente Lösungen können Echtzeitdaten über das Publikum in einem bestimmten Raum sammeln, das Kundenverhalten ermitteln und diese Daten an KI-Algorithmen weiterleiten.

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Einsatzkontexte für Proximity-basierte Digital Signage-Lösungen

Digitale Displays können an verschiedenen Orten platziert werden: Krankenhäuser, Einkaufszentren, Flughäfen und Stadien. Im Jahr 2018 waren der Einzelhandel und der Transportsektor mit über 18 % des Gesamtumsatzes Spitzenreiter im Bereich Digital Signage. Im Einzelhandel wird digitale Beschilderung vor allem für Marketingzwecke eingesetzt. Im Gesundheitswesen hingegen nutzt man die Technologie, um das medizinische Personal bei Routineaufgaben zu unterstützen und Patienten im Wartezimmer zu unterhalten. Im Bildungswesen können digitale Bildschirme von der Schulleitung verwendet werden, um Informationen ansprechend darzustellen.

Digital Signage im Einzelhandel

Digital Signage im Einzelhandel bietet vielfältige Möglichkeiten, für das richtige Produkt zur richtigen Zeit zu werben, personalisierte Botschaften zu senden und sogar Impulskäufe zu fördern.

Burberry ist ein erfahrener Anwender von Digital Signage-Lösungen. Im Jahr 2012 führte das Unternehmen seine sogenannten „magiс mirrors“ ein. Wenn ein Kunde mit einem RFID-getaggten Kleidungsstück am Bildschirm vorbeikam, zeigte der Spiegel, wie es auf dem Laufsteg aussah. Die neuste Lösung des Unternehmens verfügt über Augmented-Reality-Funktionen: Ein AR-Spiegel ermöglicht es den Kunden, in Echtzeit virtuell mit dem kultigen Band von Burberry zu spielen und ein Selfie zu machen.

Auf der EuroShop 2020 in Düsseldorf, der weltgrößten Fachmesse für den Investitionsbedarf des Handels, präsentierte Bütema eine ähnliche Lösung – einen interaktiven Fitting Room mit einem intelligenten Spiegel. Digital Signage erkennt Artikel über RFID-Tags beim Betreten der Umkleidekabine und spielt die passende Promotion aus. Kunden können außerdem im Lookbook blättern, Produkte anklicken und direkt im Onlineshop bestellen.

Ein weiteres Beispiel kommt aus Toronto. Die COTY Fume Scent Lounge-Boutique implementierte 10 LCD-Videowandtürme mit zwei interaktiven Touchscreen-Displays. Käufer können über Touchscreens nach Parfüms suchen. Die ausgewählten Flakons werden über RFID-Tags identifiziert und mit in den Tisch integrierten LED-Leuchten angezeigt. So können Kunden Düfte ihrer Wahl schneller finden.

Digital Signage im Gesundheitswesen

Ein intelligentes Display kann Aufgaben eines Rezeptionisten an der Aufnahme im Krankenhaus übernehmen, indem es jedes Mal reagiert, wenn ein Patient das Gebäude betritt. Die IoT-verbundene Lösung kann bei der Navigation helfen und Arztbesuche automatisch bestätigen. Smart Signage kann mithilfe von Kameras und Sensoren auch die Krankenhausbesuche registrieren.

Üblicherweise dienen Displays im Wartebereich dazu, Patienten zu informieren oder aufzurufen. Das Cleveland Clinic Kinderkrankenhaus führte aber eine Proximity-Lösung ein – eine interaktive Bewegungswand, die Patienten zwischen den Terminen im Wartezimmer unterhält. Die Lösung verwendet eine Technologie zur Gestenverfolgung: Sie reagiert auf langsame Bewegungen und mischt blaue, rote und gelbe Farben, um faszinierende visuelle Effekte zu erzeugen.

Digital Signage-Lösungen während COVID-19

Für Digital Signage-Lösungen erwies sich der Ausbruch der COVID-19-Pandemie als Fluch und Segen zugleich.

Aufgrund der Pandemie mussten smarte Zähler mit Gesichtserkennung, wie die Audience Measurement Platform von Quividi, sich an maskenbedeckte Gesichter anpassen. Andere Unternehmen kümmerten sich um kontaktlose Lösungen. Das Digital Signage-System der University of Atlanta mit mehr als 300 digitalen Schildern auf dem Georgia Tech-Campus fügte Sprachbefehle hinzu, um den Studenten die Navigation auf dem Gelände zu erleichtern.

In der Zwischenzeit löste COVID-19 die Entwicklung von Lösungen der nächsten Generation wie Digital Signage mit Funktionen zur Temperaturkontrolle aus. Beispielsweise erkennt der Guardian Kiosk von Advanced Kiosks Personen mit hoher Körpertemperatur und identifiziert Personen ohne Maske. Der Check-in-Kiosk von LamasaTech geht sogar noch weiter und druckt ein ID-Badge aus, das belegt, dass die Besucher die Temperaturkontrolle erfolgreich bestanden haben.

Beim Golf-Charity Turnier in Schleswig-Holstein kam ein Corona Check-In Terminal zum Einsatz. Die persönlichen Daten werden von Besuchern über ein Online-Formular erfasst und ein QR-Code wird generiert. Mit diesem System müssen die Corona-Fragebögen nur einmalig ausgefüllt werden. Außerdem verfügt das Terminal über einen Desinfektionsmittelspender und kann über das Display weitere Infos anzeigen. Media Markt und Saturn führen die  Zugangskontrolle mit einer digitalen Einlass-Ampel durch. Die Lösung erfasst in Echtzeit mit AI-gesteuerter Sensortechnik die Anzahl der Personen, die den Markt betreten und verlassen. Die Sensoren und Digital Signage optimieren Prozesse, die bis dahin manuell bearbeitet wurden.

Abschließender Hinweis

Gewöhnliche Bildschirme erkennen keine vorbeigehenden Menschen. Im Vergleich dazu sehen Proximity-basierte Signage-Lösungen vorteilhaft aus. Dank Digital Signage können Unternehmen, die nach neuen Wegen suchen, ihr Zielpublikum erreichen, Betriebskosten senken und innovative Lösungen einführen.

Intelligente Displays, die Personen in der Nähe erkennen und ihr Verhalten analysieren, helfen Marken dabei, ihre Marketingkampagnen zu personalisieren und Mehrausgaben zu vermeiden. Digital Signage bietet viele Varianten der Kommunikation: ein digitales Schild, das Nachrichten an Ihr Smartphone sendet oder ein smarter Spiegel, der zu einer virtuellen Anprobe einlädt; ein kontaktloser Spender für Händedesinfektionsmittel, der mit einem Display verkoppelt ist; oder eine riesengroße Videowand, die man nicht übersehen kann.

Proximity-basierte Lösungen können Routinen automatisieren und die Einsatzplanung von persönlichen Ressourcen optimieren, wenn intelligente Displays z. B. am Empfang im Krankenhaus oder als Besucherzähler bei einer Massenveranstaltung eingesetzt werden.

Digital Signage hilft bei der Bewältigung der Pandemiefolgen und bietet gleichzeitig neue Geschäftsperspektiven. Neuartige Lösungen können Personen mit hoher Temperatur identifizieren, Gesichter ohne Maske erkennen und notwendige soziale Distanz kontrollieren.